Moritz Dittrich

architecture research

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Badehaus am Breitstrom

Die Frage nach dem Inneren und dem Äußeren ist eine grundlegende in der Architektur. Spricht man von einer Haut, so ist es immer das Durchbrechen, was den Beobachter ins Innere führt. Mit der Dekonstruktion der Box wird der Übergang fließender und das Innen und das Außen werden miteinander verwoben. Die Simultaneität des Raumes gewinnt an Aufmerksamkeit.

Die Fragestellung, die bei dem Entwurf für das Badehaus am Breitstrom aufgeworfen wird, ist die des bewussten Inszenierens des Übergangs durch das Erlebbarmachen der Tiefe der Haut als Schwelle. Dies ermöglicht ein Besinnen auf das Wahrnehmen von Körper und Raum. Um die Wahrnehmung anzureizen werden verschiedene Funktionen auf verschiedenen Schwellen angeordnet, die die Wahrnehmung bewusst zentrieren.

Die äußere Welt oder die äußere Sphäre bildet hierbei die Altstadt von Erfurt. Unweit nördlich der Krämerbrücke unmittelbar an der Gera, die an dieser Stelle Breitstrom heißt, entsteht im Inneren der rechtwinkligen Bauform ein Badehaus im Sinne der Stadtbäder aus vergangener Zeit. Das moderne Leben bedingt zwar die ursprüngliche Funktion des körperlichen Reinigens nicht mehr, jedoch kann eine moderne Interpretation Zufluchtsort sein und der Reinigung des Geistes dienen.



Betreten wird der Bau von Süd-Osten über die Gasse „Dämmchen“ unmittelbar hinter einer kleinen Brücke über den Breitstrom. Der Betrachter befindet sich nun in der äußersten Schale des Gebäudes, die der Erschließung in horizontaler wie vertikaler Weise dient. Schon beim Eintreten oder Durchdringen der ersten Haut fällt dem Betrachter die bewusst inszenierte Tiefe der Fassade auf. Ebenfalls besteht auf dieser Schale stets visueller Kontakt zur äußeren Sphäre. Linker Hand entlang der Fenster zur Flussseite, befindet sich die Trinkhalle. Um zu den Umkleidekabinen im Obergeschoss zu gelangen erstrecken sich zwei gegenüber liegende Treppenräume im Eingangsbereich. Erst im Obergeschoss mit dem Ablegen der Kleidung in der zweiten Schale, den Umkleidekabinen, findet ein zweites bewusst inszeniertes Durchdringen einer weiteren Haut statt. Parallel eröffnet der Wandel von außen nach innen den Einblick in den Innen- raum. Nun befindet sich der Besucher in der inneren Welt. Das Marerial Holz, in denen das Gebäude ausgeführt ist, und inszenierter Lichteinfall durch die Oberlichter nehmen dem Bade- gast die Lasten des Alltag und lassen ihn den eigenen Körper im Raum spüren. Der Badegast gelangt nach dem Entkleiden und dem Deponieren der Kleidung in den Schließfächern nahe der Kabinen, in den zweiten inneren Treppenraum. Auch hier wird die vertikale Erschließung des Gebäudes inszeniert und lässt den Körper im Raum war nehmen.



Am Fuß der Treppe befindet sich der Badegast nun am Becken- rand. Rechter Hand finden sich Duschen und der Einstieg in das Becken. Tiefe und hohe Stufen geben dem Eintauchen einen Moment Zeit und Besinnung auf das neu entdeckte Element. Das Baden wird wieder eine Besonderheit. Über das einfallende Licht von oben und die sich immer mal wieder für einen Au- genblick öffnenden Kabinentüren fällt die Außenwelt für einen Moment ein. Doch die ruhige besinnliche Atmosphäre lässt den Badegast im Moment verweilen und die Besinnung auf das Hier und Jetzt genießen.

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